Was es wirklich bedeutet, ohne Geschwister aufzuwachsen
Forschungen zeigen, dass Einzelkinder tendenziell eine engere Bindung zu ihren Eltern entwickeln als Kinder mit Geschwistern. Die Gründe dafür sind vielfältig

Aufwachsen ohne Geschwister kann eine ganz eigene Erfahrung sein, die sowohl Vorzüge als auch Herausforderungen mit sich bringt.
Die Dynamik des Lebens ohne Geschwister prägt nicht nur die persönliche Entwicklung, sondern beeinflusst auch soziale Fähigkeiten und Beziehungen im späteren Leben.
Es ist wichtig, die vielfältigen Facetten dieser besonderen Kindheit zu betrachten und zu verstehen.
Ungeteilte Aufmerksamkeit der Eltern
Bereits in den 1980er Jahren wurde die besondere Beziehung zwischen Einzelkindern und ihren Eltern untersucht. Sozialpsychologe Toni Falbo und Forscherin Denise Polit kamen zum Schluss, dass die Bindung der Eltern-Kind-Beziehung bei Einzelkindern höher war.

Diese Ergebnisse wurden seither immer wieder bestätigt, sowohl im Westen als auch im Osten. In China beispielsweise zeigte sich bei Junior Highschool-Schülern, dass Einzelkinder eher angaben, eine enge Beziehung zu ihren Eltern zu haben.
Es ist anzunehmen, dass durch die Abwesenheit von Geschwisterkindern keine Konkurrenzsituation entsteht. Dadurch ergibt sich oft eine engere Bindung, aber auch durch den Umstand, dass Eltern sich auf nur ein Kind konzentrieren.
Das «Enmeshmet»-Phänomen
Trotz aller Vorteile kann die enge Bindung zwischen Eltern und Einzelkind auch problematisch werden. Die sogenannte «Enmeshment» beschreibt ein Phänomen, bei dem Grenzen zwischen den Individuen verschwimmen und es schwerfällt, sich voneinander abzugrenzen.
Dies ist insbesondere in der Jugend oft eine Herausforderung, denn Teenager befinden sich in einer Phase der Identitätsfindung. Vielen Eltern fällt es jedoch schwer, das (einzige) Kind loszulassen.
Gibt es keine Balance zwischen Bindung und Autonomie, wird es oft konflikthaft.
Was Eltern tun können
Eine starke Vermaschung (Enmeshment) birgt Risiken. Kinder fühlen sich manchmal erdrückt und im Erwachsenenalter ist es immer noch schwierig für sie, Grenzen zu setzen.

Eltern von Einzelkindern beugen vor, indem sie ihrem Kind genügend Freiräume lassen und den Kontakt zu anderen Kindern fördern. Zudem ist es wichtig, die Privatsphäre des Nachwuchses zu respektieren, damit es sich nicht dazu gezwungen fühlt, Rechenschaft abzulegen.
Auch wenn es für Eltern schwierig ist: Nur ein gesundes Nähe-Distanz-Verhältnis fördert das psychische Wohlbefinden und die Entwicklung von Einzelkindern. Diese brauchen zwar auch Sicherheiten wie jedes andere Kind, aber vor allem Freiheit, ein Recht auf eigene Grenzen und Vertrauen.